Konflikte - Wozu sprechen wir überhaupt miteinander

Liebe Lösungsfokussierte,
wozu sprechen wir überhaupt miteinander?
Um uns zu verständigen.
Wofür ist das gut?
Damit etwas besser wird oder gut bleibt.
Die Gegenwart und / oder die Zukunft.
Helfende Gespräche
Die Beschäftigung mit dem therapeutischen
Gespräch bietet Gelegenheit, sich mehr Klarheit
über das zukunftsverbessernde Potential von
Gesprächen überhaupt zu verschaffen.
Lösungsfokus stellt die Frage „was bedeutet für
Dich besser?“ in das Zentrum des Gesprächs.
Wir führen hierfür das Gespräch immer wieder
auf die drei folgenden Grundfragen zurück: Wie
wäre es, wenn es etwas besser wäre? Wie war
es, als es schon mal besser war? Wie sähe
Deine optimale Lösung aus?
Beim helfenden Gespräch konzentrieren beide
Gesprächspartner ihre Bemühung darauf, dass
der Klient oder die Klientin in Zukunft besser
oder gut zurechtkommt.
Andere Gespräche
Andere Gesprächssituationen sind auf andere
Art vorstrukturiert. Beispielsweise ganz klar
hierarchisch, in diesem Fall werden vielleicht
einfach Informationen oder Anweisungen weiter
gegeben. Oder es werden abgelaufene
Prozesse kritisiert. Im Prinzip geht es auch in
dieser Situation darum, die Zukunft zu
verbessern. Allerdings besteht hierüber unter
Umständen kein Konsens, und meist ist auch
die Initiative häufig bei der hierarchisch höher
stehenden Person, während die niedriger
stehende Person die Umsetzung übernehmen
soll.
Konfliktgespräche
Relativ häufig sind Gespräche, in denen die
Beteiligten in einer Art von
Kooperationsverhältnis miteinander stehen und
unterschiedliche Wünsche bestehen.
Dementsprechend unterschiedlich sind
Ansichten über Ziele und Ideen für Maßnahmen.
In diesen Fällen, in denen beide Seiten
unterschiedliche und vor allem scheinbar
gegensätzliche Ziele verfolgen, sprechen wir
von Konflikten. Jeder der Partner möchte mit
Hilfe des Gespräches seine eigene Zukunft (und
möglicherweise die des anderen) verbessern
oder zumindest seine Vorstellungen von dem,
was er für eine gute oder bessere Zukunft hält,
durchsetzen.
Zur Sprache bringen
Die für gelingende Gespräche notwendigen
Grundeinstellungen sind für die
unterschiedlichen Arten von Gesprächen
identisch und müssen zur Sprache gebracht
werden:
Der Andere ist der Experte für sein (Er)Leben,
seine Wünsche und Abneigungen, sein Denken
und Handeln.
Jeder von uns hat Gute Gründe für seine Sicht,
seine Ideen und die daraus entspringenden
Worte und Taten.
Anerkennung und Wertschätzung sind
Voraussetzung für erfolgreiche und nützliche
Gespräche.
Werden diese Aspekte nicht irgendwie zur
Sprache gebracht, ganz direkt oder als Subtext
durch Tonfall, Stimme, Gestik oder Mimik,
können sie ihre heilsame Wirkung nicht
entfalten.
Auch das Offensichtliche und
Selbstverständliche muss mit zur Sprache
gebracht werden. (Wir sprechen hier
miteinander, wir möchten, dass es allen gut
geht, usw.)
Die Fragestellungen entfalten nur dann ihre
ganze Kraft, wenn wir wirklich fragen. Das
bedeutet, dass wir wirklich interessiert daran
sind zu hören, was der andere zu sagen hat;
und dass wir dem Gesagten wirkliche
Wertschätzung in entgegenbringen.
Fragestellungen und Grundsätze müssen
wiederholt werden. Nicht erläutert oder ergänzt,
sondern wieder(ge)holt. Anfangs häufiger,
später seltener.
Konflikte
Wollen wir die im Spezialfall des helfenden
Gespräches wirksamen Fragestellungen auf
Konfliktsituationen übertragen, müssen einige
wichtige Punkte zusätzlich beachtet werden.
Gleichwertigkeit etablieren
Jede Art von gegenseitiger (relativer) Abwertung
blockiert in nicht-hierarchischen Gesprächen
den Weg zu Lösungen. Daher ist es
entscheidend, die Idee der Gleichwertigkeit der
unterschiedlichen Sichtweisen, Wünsche und
Positionen zur Sprache zu bringen und als
Grundlage zu etablieren. Hier kann auch ruhig
einmal nachgefragt werden, sind wir darüber im
Prinzip einig ... ?
Geht unser Gegenüber ganz bewusst nicht
darauf ein und besteht explizit auf der relativen
Abwertung unserer Person oder Anliegen, so ist
auch das ein Fortschritt im Gespräch.
Wir können dann unsere Überzeugung vom
eigenen Wert und vom gleichen Wert
unterschiedlicher Perspektiven und Standpunkte
in Ruhe Ausdruck geben und von dort
weitergehen.
Unterschiede wertschätzen
Keine zwei Menschen sollen oder können auch
nur jemals die gleichen Erfahrungen machen,
und seien sie noch so eng miteinander
verbunden. Es fehlt uns immer die
Selbstwahrnehmung des anderen, seine
Prägung und Vorgeschichte und nicht zuletzt
seine Wahrnehmung von uns als Person.
Gemeinsame Werte, Ziele, Ansichten, Freuden
und Herausforderungen überdecken häufig
diese Tatsachen. Wir bemerken erst an unseren
Ent-täuschungen, dass wir phasenweise im
Gefühl eines gemeinsamen Einverständnisses
in einer gemeinsamen Welt gelebt haben.
Gelingt es uns, ganz generell nichts anderes
als Verschiedenheit zu erwarten und
vorübergehende Lösungslosigkeit ebenso
wertzuschätzen wie schnelle Einigung, dann
können wir auch in schwierigen Konflikten
unsere Gespräche dafür nutzen, bessere
Zukunft für alle Beteiligten zur Sprache zu
bringen und dadurch zu ermöglichen.

Herzliche Grüße
Christoph Frieling