Gutes wissen ...

Manchmal
haben wir im Verlauf eines Gespräches mit unseren Klienten das Gefühl, dass sie
mit ihren Ideen und Gedanken auf dem richtigen Weg sind. Wir freuen uns, dass
sie drauf gekommen sind und bestärken sie in der eingeschlagenen Richtung. Wir
sind, sozusagen, ganz ihrer Meinung, nehmen dies als Beleg für die Richtigkeit
der Ideen und Empfindungen und unterstützen entsprechend.
Worauf es hier ankommt ist die verdeckte Idee, dass wir für unsere Klientin einen
„richtigen“ Weg irgendwie erkennen können. An dieser Stelle verlassen wir
manchmal den leeren Kreis unseres Nichtwissens und dies meist unbewusst.
Klient und Therapeutin bemerken an dieser Stelle nicht, dass hier
Verschiebungen stattfinden können in die Verteilung von Autorenschaft und
Verantwortung für Entscheidungen über wahr und falsch, über günstig und
ungünstig.
An dieser Stelle innehalten, wie macht man das? Können wir unseren Klienten
hier vertrauen? Würden sie ohne unseren Zuspruch die „gute“ Idee vielleicht
wieder fallen lassen? Und können wir das verantworten? Müssen wir ihnen nicht
helfen? Ist es nicht ganz gleichgültig, von dem die „gute“ Idee nun stammt und
kommt es nicht ausschließlich darauf, dass der Klient etwas anders macht? Was
kann es schaden, ihn in bestimmten Gedanken zu bestärken?
Was dürfen wir „wissen“ über richtig und falsch, ohne den Prozess des Klienten
zu übernehmen?
Sollen wir wirklich immer nur wissen, dass es gut ist und gut wird und uns über
das „wie“ keine Gedanken erlauben? Wenn hier konsequent wären, wie würde
sich das auf unsere Gespräche auswirken?
Herzliche Grüße,
Christoph