Gute Gründe für “Angst” NL-LS 1409

Liebe Lösungsfokussierte, 

„Ich habe Angst.“

Worum geht es hier ?

Wenn wir nachfragen, was Klienten genau
merken, was sie empfinden, (bitte beschreiben
Sie, ohne Begriffe wie „Angst“, „Panik“ oder
ähnliches zu gebrauchen), werden sie
unangenehme Empfindungen und Gedanken
beschreiben. Im Zusammenhang mit mehr oder
weniger klaren Vorstellungen von Ereignissen,
die auf sie zukommen könnten, die auf die eine
oder andere Art schwer oder unmöglich zu
bewältigen sind. Ereignissen, denen sie sich
nicht gewachsen fühlen.
Dieser Mechanismus lässt sich gut mit einem
Frühwarnsystem oder einer Art von
Alarmanlage vergleichen. Sinn und Zweck eines
Alarms ist es, uns auf Unsicherheiten, Risiken
und Gefahren hinzuweisen, damit wir die in
dem Zusammenhang erforderlichen Schritte
durchführen. Diese können auch vorbeugender
oder einfach klärender Natur sein. Der Alarm
ist umso anhaltender und hartnäckiger, je
unklarer, vielfältiger oder folgenschwerer die
möglichen Gefahrenpotentiale sind.
Abgeschaltet wird der Alarm erst, nachdem wir
für ausreichende Sicherheit gesorgt haben.
Dabei spielt es keine Rolle, ob wir uns getraut
haben nachzusehen und dann feststellen, dass
der Alarm von einer Maus ausgelöst wurde
oder ob wir die Schritte der Helfer auf der
Treppe hören.
In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle
bezieht sich der Alarm auf die Zukunft.
In der Natur der Zukunft liegt es, dass wir sie
nicht zu 100 % sicher wissen können. Wie sehr
wir uns auch bemühen ( und das tun wir!), es
bleibt immer ein Rest Unsicherheit. Wir können
uns noch so gut gegen alle möglichen Risiken
abzusichern versuchen – es bleibt ein Rest.
Vor dem Hintergrund dieser Rest‐Unsicherheit
kann die Empfindlichkeit unserer Alarmsysteme
zu stark oder zu schwach eingestellt sein. Dies
kann vorübergehend sein oder eine Eigenheit
einer Person, einer Gruppe, einer Situation
oder einer Epoche.
Die Tatsache, dass wir die als "Angst"
bezeichneten unangenehmen Empfindungen
loswerden möchten, bedeutet nicht
automatisch, dass wir unser Alarmsystem
loswerden möchten.
Begreifen wir besser, was die unangenehmen
Empfindungen für uns tun – oder anders
ausgedrückt, zu was sie uns anhalten möchten,
können wir uns vielleicht freier entscheiden, ob
wir ihrem Aufruf folgen und uns anders
verhalten oder besser und konkreter
vorbereiten wollen, oder ob wir nach
nüchterner Abschätzung der Lage andere
Prioritäten setzen wollen.
Für unsere Klienten kommt es darauf an,
tragfähige Lösungen für künftige
Herausforderungen zu entwickeln. Manchmal
geht es auch ganz allgemein darum, mehr
Selbstvertrauen und einen besseren Umgang
mit jeder Art von Unsicherheit zu finden.
Für uns kommt es dabei darauf an, mit dem in
Kontakt zu bleiben, was unsere Klienten
möchten und was sie glauben zu können und
nicht zu können. Sobald sie klarer werden und
beginnen, einen ausreichend sicheren und
stabilen Weg in ihre Zukunft zu sehen, können
wir spüren, wie die unangenehmen Gefühle
nachlassen und dürfen miterleben, wie sich
Kräfte neu entfalten.
In gewisser Weise hilft uns unser Alarmsystem
dabei, rechtzeitig für gute Zukunft zu sorgen.

Ich wünsche uns allen in diesem Sinne
möglichst gute "Ängste",

Christoph